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28. Juli, 2010 | dominik.meisinger

The Message
Seit  mehr als 13 Jahren berichtet das Printmagazin „The Message“ über österreichische und internationale Hip Hop-Kultur, ohne dabei an den Grenzen des Genres Halt zu machen – so landeten in der Vergangenheit neben heimischen Rap-Acts auch schon Hans Krankl oder Marianne Mendt am Cover des Heftes.

Mit der letzten Ausgabe präsentierte sich das „Magazine for Urban Music and Arts“ rundum erneuert und will sich auch inhaltlich etwas breiter ausrichten. Wir sprachen mit „The Message“-Chefredakteur Moritz Gottsauner, der neben seiner Tätigkeit als „Datum“-Redakteur das Magazin redaktionell leitet.

Medienjournal: Wie ist „The Message“ als österreichisches Hip Hop-Magazin entstanden?

Gottsauner: Es hat 1997 als selbst kopiertes Heft begonnen, damals noch mit dem Untertitel “Die ultimative Hip Hop-Informationsbroschüre aus Wien, 100% Underground”. Das waren einfach ein paar Leute aus der Hip Hop-Szene, die sich zusammengetan und das auf die Beine gestellt haben. Schließlich ist es immer professioneller geworden – das Design hat sich über die Zeit verändert , auch das Logo und das Papier, auf dem es gedruckt worden ist. Ich selbst bin seit 2004 dabei und habe zunächst mit Storys über Graffiti in Brasilien, wo ich mich damals aufgehalten habe, begonnen.

Medienjournal: Was hat sich in den letzten Jahren in der Arbeit von „The Message“ verändert?

Gottsauner: Früher hatten wir beispielsweise noch ein richtiges Büro, welches wir mittlerweile aber aus finanziellen Gründen aufgegeben haben. Deshalb treffen wir uns jetzt alle zwei Wochen in irgendwelchen Lokalen in Wien. Die „Message“-Redaktion fluktuiert auch sehr, die Redaktion besteht aus einem Pool von etwa 20 Leuten. Dazu kommen noch Grafiker und Anzeigenleute.

Die größte Veränderung, die sich in meiner Zeit ereignet hat, war unser Relaunch mit der letzten Ausgabe: Es gab ein komplettes Re-Design, das Format hat sich verändert, das Logo ebenfalls. Wir haben vor, das Magazin etwas zu öffnen. „The Message“ hat sich nie wirklich auf Hip Hop beschränkt, sondern schon früh auch andere Richtungen, die damit zusammenhängen, wie etwa Funk oder Soul, aufgegriffen. Das Genre Hip Hop im weitesten Sinn hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr verändert. Viele Dinge, die ursprünglich aus dem Hip Hop kommen, haben sich in andere Richtungen weiterentwickelt und dem wollen wir gerecht werden.

Die Idee hinter dem Relaunch war auch, Leute anzusprechen, die nicht direkt vom Hip Hop kommen, aber grundsätzlich verschiedene Aspekte der Subkultur interessant finden, etwa Graffiti oder Off-Topic-Geschichten, die nur am Rande mit Musik zu tun haben.

Medienjournal: Wie wichtig ist für „The Message“ der Standort Österreich und damit die Verbundenheit zur heimischen Szene?

Gottsauner: Wir versuchen, den österreichischen Sachen so gut wie möglich eine Öffentlichkeit zu bieten und das mit einem internationalen Input zu verbinden. Wir wollen österreichische Hip Hop-Musik einem weiteren Leserkreis schmackhaft machen. Lustigerweise schimpfen jetzt in der Hip Hop-Szene einige, dass wir Marianne Mendt am Cover haben und jetzt anders ausschauen. Aber wenn wir in den letzten zwei, drei Jahren wen am Cover hatten, waren das fast immer österreichische Hip Hop-Acts. Wir versuchen, diese Musik einem neuen Publikum näher zu bringen.

Medienjournal: Sie haben erwähnt, dass sich „The Message“ mit dem Relaunch etwas öffnen, über die Hip Hop-Szene hinaus gehen will. Wie sieht das inhaltlich aus?

Gottsauner: Wir wollen grundsätzlich verschiedenen Dingen eine Plattform bieten, ob das jetzt Hip Hop ist, Dubstep, Grime, Graffiti, diese ganzen neuen Beat-Sachen, wo auch in Wien extrem viel passiert. Das alles ist immer noch eine unterrepräsentierte Subkultur, obwohl hier so viel geschieht. Wir haben zwar FM4, was eine gute Sache ist, aber die müssen auch extrem viel abdecken. Im ORF-Fernsehen passiert kaum etwas zu musikalischer Subkultur oder Jugendkultur.

Es gibt vielleicht ab und zu einen Beitrag im Kulturmontag, aber bei denen hört und sieht man meistens auch gleich, dass die Leute, die das machen, einfach kein Hintergrundwissen haben. Die richten sich offenbar auch an ein anderes Publikum, aber bestimmt nicht an ein junges. Das schafft der ORF seit Jahren nicht. Sendungen wie “Willkommen Österreich” oder die “Sendung ohne Namen” sind bzw. waren, lustig, unterhaltsam und sehr gut gemacht. Mit Kulturberichterstattung hat das aber gar nichts zu tun.

Medienjournal: Sie haben schon erzählt, dass ihr euer Büro aufgegeben habt – wie schwierig ist es, in Österreich ein Subkultur-Magazin zu betreiben?

Gottsauner: Wenn man so ein Magazin macht wie das „Message“, klein und arm – wie so viele gute Sachen in Österreich – dann funktioniert das nur, wenn Leute mitarbeiten, die das vor allem aus Liebe zur Sache machen, auch wenn das jetzt kitschig klingt. Ansonsten würde „The Message“ gar nicht funktionieren. Bei uns kriegt ja niemand was bezahlt, außer die Grafiker – aber für das Geld, dass sie bei uns kriegen, würden sie für andere Leute auch nur einen Entwurf machen und bei uns machen sie Nächte durch und redesignen das ganze Heft.

Es steht eben ein Idealismus dahinter. Natürlich bekommen die Leute, die für uns schreiben auch etwas zurück: Man kriegt Promo-CDs, kann Interviews mit interessanten Leuten führen, selber schreiben und Radio machen. Aber im Endeffekt muss eben eine gewisse emotionale Bindung dabei sein, damit man es macht. Jeder, der mitarbeitet, hat andere Jobs oder studiert, muss überleben und macht zwanzig Dinge gleichzeitig – und trotzdem schaffen wir es immer wieder, das Heft herauszubringen.

Medienjournal: Inwiefern ist es dabei  für euch wichtig, dass das Magazin als Print-Produkt erscheint?

Gottsauner: Ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Ob es nur online auch funktionieren würde? Da bin ich sehr skeptisch. Es ist lustig, weil es eigentlich paradox ist – aber generell im Journalismus, ob es eine Tageszeitung ist oder ein Magazin wie bei uns: Online hat noch nicht ganz den Stellenwert wie Print. Seinen Namen unter einem Artikel in einem Printmagazin stehen zu haben, ist vielen einfach mehr wert als dasselbe online. Bei einer Tageszeitung ist das Paradoxe daran, dass die am nächsten Tag weggeschmissen wird, während dein Artikel im Internet womöglich die nächsten zwanzig Jahre noch abrufbar sein wird.

Bei einem Print-Artikel, in den man viel Arbeit hineinsteckt, hat man zum Schluss einfach ein Endprodukt, das man in die Hand nehmen kann, in einem schönen Magazin mit schönem Layout. Es ist auch klar, dass sich die Zukunft im Internet abspielt. Aber wir machen einfach gern Magazine. Das macht Spaß, das kommt aus der Druckerei, das sieht gut aus, das riecht gut, wir haben ja auch ein extrem wohlriechendes Magazin, sicher eins der wohlriechendsten in Österreich (lacht).

Medienjournal: Wo siehst du „The Message“ in fünf Jahren?

Gottsauner: Hmm… vielleicht gibt’s dann ein „The Message“-Building auf der Mariahilfer Straße mit einem fetten Schriftzug in Leuchtlettern (lacht). Nein, also ich würd mir wünschen, dass das „Message“ für die urbane Subkultur eine Institution wird, wie es jetzt schon eine in der HipHop-Szene ist.

Ansonsten geht es mehr um die kleinen Schritte, Leute glücklich machen – etwa schon dadurch, dass jemand das „Message“ liest, daraufhin ins Internet geht und sich die Musik anhört oder auch, dass jemand ein Graffiti an der Wand sieht und dann vielleicht die Geschichte des Menschen, der das gemacht hat, kennt, weil er sie bei uns gelesen hat. Unser Anspruch ist, dass wir einen Zugang zu gewissen Dingen schaffen.

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