
Die Seminararbeit liegt fertig ausgedruckt auf dem Tisch und man weiß, man hat ein kleines literarisches Meisterwerk geschaffen. Doch im studentischen Alltag ist meist der Professor der erste und letzte Leser und nachdem die Note eingetragen ist, wird die Arbeit archiviert. Warum also nicht einfach publizieren?
Studierende aus geistes- und kulturwissenschaftlichen Studienrichtungen der Universität Wien haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, diesem Umstand ein Ende zu setzen. Die Schublade oder der Ordner im Regal sollen nicht mehr das Ende der studentischen Arbeiten sein, sondern ein halbjährlich herausgegebenes Magazin mit dem Namen „SYN“. Der Begriff steht für die Vorsilbe, die zusammen, mit oder gleichartig meint und spielt auf die Interdisziplinarität der Trias Theater-, Film- und Medienwissenschaft an. Studierende haben dazu den „Verein zur Förderung wissenschaftlicher Artikel Studierender der Theater-, Film- und Medienwissenschaft“ gegründet. Dieser zeigt sich verantwortlich für die 10 bis 12 Artikel umfassende Publikation. Laurette Burgholzer und Fabian Bazant, die gemeinsam die Öffentlichkeitsarbeit des Magazins leiten, erzählen über die Grundidee, die junge Forschergeneration zu fördern.
Medienjournal: Was steckt hinter der Idee von SYN?
Burgholzer: Im Laufe des Studiums werden viele Arbeiten produziert. Viele Studenten bemühen sich dabei besondere Werke zu schaffen und gehen über die Anforderungen hinaus, die von Seminararbeiten verlangt werden. Diese Arbeiten werden eingereicht, der Professor liest sie und das war’s dann auch. Es ist schade, dass solche Arbeiten verschwinden und es gibt kaum Möglichkeiten diese Arbeit zu publizieren und gar einer Schar von Kritikern auszusetzen. Hier möchten wir Studierenden, die noch keinen Abschluss haben, eine Plattform bieten auf der sie publizieren können – somit auch einen Einstieg in die wissenschaftliche Praxis. Die Hürde, erst mit einem wissenschaftlichen Abschluss “publizierwürdig” zu sein wollten wir nehmen.
Bazant: Es war uns sehr wichtig, dass das Ganze eine Print-Publikation wird. Ein Blog zum Beispiel ist innerhalb einer halben Stunde eingerichtet. Aber das lesen dann vielleicht ein paar Leute und man findet kaum Einstieg in eine Scientific Community. Wir möchten den Studierenden schon früh eine Möglichkeit geben, ernst genommen zu werden.
Medienjournal: Der Verein zur Förderung wissenschaftlicher Artikel Studierender der Theater-, Film- und Medienwissenschaft wurde eigens dafür ins Leben gerufen?
Bazant: Wir haben den Verein extra dafür gegründet, als Ordnungsstruktur, damit wir auch als juristische Person agieren können.
Burgholzer: Außerdem ist es so einfacher um Förderungen anzusuchen.
Medienjournal: Gibt es bereits Förderungen?
Burgholzer: Wir haben die Zusage zur Nachwuchsförderung von der Uni Wien, die fünf Ausgaben fördern wird.
Bazant: Andere Förderanträge werden wir noch einreichen. Aber der Start ist schon einmal gesichtert. Es gibt außerdem eine enge Kooperation mit dem Lit-Verlag, der den Druck und Vertrieb übernimmt.
Medienjournal: Die Arbeiten werden mittels Peer-Review ausgewählt?
Bazant: Wir haben einen Peer-Review der uns eine gewisse Seriosität geben soll. Die Studierenden, die ihre Arbeiten publizieren haben dann die Bestätigung, dass diese wirklich gut sind.
Burgholzer: Die Peers bilden nicht nur Professoren vom Institut der Theater-, Film- und Medienwissenschaft, sondern auch Leute anderer Universitäten.
Medienjournal: Von wem ging die Idee zu SYN aus? Gab es Unterstützung oder Initiativen des Instituts?
Bazant: Die Idee ging von einer Gruppe Studierender der Theater- Film- und Medienwissenschaft aus. Diese sind nun auch Mitglieder des Vereins.
Burgholzer: Nachdem wir den Verein gegründet, einen Call for Papers gemacht und die Finanzierung bekommen haben, erhalten wir natürlich auch Unterstützung von den Lehrenden. Sie sehen sich auch Arbeiten letzter Semester durch und vermitteln uns sehr gute Arbeiten weiter.
Medienjournal: In der Publikation geht es primär um exaktes wissenschaftliches Arbeiten? Das heißt, es werden keine populärwissenschaftlichen Arbeiten gedruckt?
Bazant: Der Fokus liegt klar auf den wissenschaftlichen Arbeiten. Um das Magazin jedoch aufzulockern, sollen auch wissenschaftliche Essays von Leuten aus der Praxis publiziert werden. Zum Beispiel von Regisseuren, Theaterschaffenden, die etwas für uns schreiben oder ein Interview geben.
Burgholzer: Die Mindestanforderung an die Studierenden ist, dass wissenschaftlich korrekt gearbeitet wurde. Darüber hinaus sollen eigenständige Gedanken und originelle Ideen zum Ausdruck gebracht werden. Und natürlich auch die Transversalität – also, dass man einen interdisziplinärer Zugang wählen sollte.
Den großen Fundus an Arbeiten gibt es noch nicht, aber mit dem neuen Studienplan kommt allmählich durch, dass die Transversalität hervorgehoben wird. Und das ist auch die Besonderheit dieses Instituts.
Medienjournal: Ist das auch der Grund dafür, warum das Magazin nur halbjährlich erscheint? Oder ist es eher der Gedanke, dass es das Arbeitspensum eures Vereins nicht sprengt?
Bazant: Beides. Das ist es eben, was wir uns zutrauen, ohne dass es uns über den Kopf wächst. Und auch, weil es noch nicht so viele Arbeiten gibt.
Burgholzer: Auch weil ein Studienjahr in zwei Semester unterteilt ist. So gibt es eine Ausgabe pro Semester.
Medienjournal: Was ist das Thema des aktuellen, ersten Call for Papers? Was erwartet ihr euch von den eingeschickten Arbeiten?
Bazant: „Irreal“ haben wir gewählt, weil wir nicht genau wussten wie viele Leute es wirklich interessiert. Deshalb wollten wir ein weitgefasstes Thema ,da im Idealfall jeder schon einmal etwas dazu geschrieben hat.
Burgholzer: Außerdem zieht es sich quer durch sämtliche Medien. Zum einen ist es ein offenes Thema, weil wir keine spezifischen Vorgaben machen wollten. Es geht mehr um eine Denkweise bzw. wie man Dinge betrachtet. Zum anderen weil man durch die Themen Fernsehen, Theater, Kino oder Internet nicht an der real/irreal-Debatte vorbeikommt.
Bazant: Es geht uns einerseits darum, schon verfasste Arbeiten, die in der Schublade liegen, ans Licht zu bringen. Andererseits die Studierenden durch den Call for Papers zum Schreiben zu motivieren. Es ist also keine Anforderung, dass das Ganze als Seminararbeit eingereicht worden ist.
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Foto: Fabian Bazant
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