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2. Juni, 2010 | ludmila.handjiiska

„Die Bulgaren in Österreich“ ist ein Kulturmagazin, das sich an die in Österreich lebenden Bulgaren wendet. Sein Hauptziel ist es, Orientierungshilfe für die nach Österreich kommenden Bulgaren zu leisten und die Integration dieser Gruppe zu fördern. Über die Schwierigkeiten, ein Nischenmagazin zu gestalten und die Freude daran, eine gute Arbeit geleistet zu haben, sprach das Österreichische Medienjournal mit einer der Herausgeberinnen der Zeitschrift: Elitsa Karaeneva Devrnja.

 

Medienjournal: Seit wann existiert die Zeitschrift „Die Bulgaren in Österreich“ und wie habt ihr euch dazu entschlossen, ein bulgarisches Magazin in Wien herauszugeben?

Devrnja: Das Magazin existiert seit August 2006. Die Idee, ein solches Magazin herauszugeben, entstand aus einem Projektmanagement-Seminar heraus, das wir während des Wintersemesters 2005 an der Universität Wien besuchten. Unsere Aufgabe bei dem Seminar war es, eine Idee für ein Projekt zu entwickeln, das auch tatsächlich realisierbar wäre. Da mein Mann der Herausgeber einer serbischen Zeitschrift ist, hatte ich die Idee, ein fiktives bulgarisches Magazin zu entwerfen. Ich habe das Projekt gemeinsam mit drei Bulgarinnen und einem Mädchen aus dem Libanon ausgearbeitet. Nachdem wir festgestellt hatten, dass man, um ein derartiges Projekt zu verwirklichen, anfangs nicht so viel Geld benötigt, haben wir uns gemeinsam mit Tatjana Ribarska entschieden, es tatsächlich umzusetzen.

Medienjournal: Welche thematischen Schwerpunkte hat eure Zeitschrift?

Devrnja: Da wir momentan die einzige Zeitschrift in Österreich herausgeben, die sich an die bulgarische Community wendet, versuchen wir, um möglichst viele Leser zu erreichen, eine thematische Vielfalt zu präsentieren. Eine unserer Rubriken stellt zum Beispiel Bulgaren, die seit langer Zeit in Österreich leben oder auch Österreicher, die, auf welcher Weise auch immer, mit Bulgarien zu tun haben und die in dem Bereich, in dem sie tätig sind, besonders erfolgreich sind, vor. Viele unserer Rubriken sind immer noch an das Ursprungsland gerichtet. So eine Rubrik ist zum Beispiel „Das unbekannte Bulgarien“. Ebenfalls versuchen wir verschiedene Gesetze, die die Bulgaren in Österreich betreffen, auf verständliche Weise unseren Lesern näher zu bringen. Vor Kurzem haben wir damit begonnen, österreichspezifische Themen zu integrieren. Wir stellen zum Beispiel Orte in Österreich vor, die unseren Lesern unter Umständen unbekannt sind, jedoch einen Besuch wert sind.

Medienjournal: Eure Leser sind also hauptsächlich Bulgaren, die in Österreich wohnen?

Devrnja: Unser Publikum ist gemischt, da die Zeitschrift zweisprachig ist. Der Großteil unserer Leserschaft besteht auf alle Fälle aus Bulgaren, aber es gibt auch viele Österreicher, die unser  Magazin lesen. Insgesamt sind unsere Abonnenten Österreicher. Die Zeitschrift wird, außer über das Abonnement, auch auf unterschiedlichen Veranstaltungen verteilt, wo viele Mitglieder unserer Gemeinschaft zusammentreffen.

Medienjournal: Was sind die größten Hürden und Schwierigkeiten, wenn man eine Zeitschrift herausgibt, die an ein kleines Publikum in Österreich gerichtet ist?

Devrnja: Die Finanzierung ist wie immer die größte Schwierigkeit. Das Geld ist deshalb ein Problem, da wir eine recht kleine Community sind und wir uns nicht erwarten können, dass die Stadt Wien und als Gemeinschaft anerkennt oder uns finanziell unterstützt. Eine Zeitschrift ist besonders schwer finanzierbar, wenn sie kein Einzelprojekt ist, das ein bestimmtes Ablaufdatum hat. Unsere Zeitschrift lebt  und entwickelt sich weiter. Sie braucht ständig finanzielle Mittel, die einfach schwer zu bekommen sind. Wir haben auch versucht, Geld aus Bulgarien zu akquirieren, aber das ist uns leider bis jetzt noch nicht gelungen. Wir bemühen uns aber, ständig neue Finanzierungsquellen zu erschließen. Die geringen finanziellen Mittel sind eigentlich das einzige Problem. Alle Leute, die für diese Zeitschrift engagiert arbeiten, tun dies ehrenamtlich und das bereits seit drei Jahren.

Medienjournal: Wie oft erscheint eure Zeitschrift?

Devrnja: Das Magazin erscheint alle zwei Monate. Das mag nach einer langen Vorbereitungszeit klingen, allerdings vergeht diese extrem schnell und ehe man sich versieht, sind die zwei Monate auch schon wieder vorbei.

Medienjournal: Wie finanziert sich die Zeitschrift?

Devrnja: Hauptsächlich durch Werbeinserate. Ein kleiner Anteil kommt auch vom Magistrat 7 (Kulturabteilung der Stadt Wien). Das, was wir an Geld sammeln können, reicht für den Druck und für den Vertrieb. Aus diesem Grund haben wir vor kurzem ein kostenpflichtiges Abonnement eingeführt. Dadurch haben wir natürlich einige Leser verloren, hoffen aber, dass wir viele Leser zurückgewinnen werden.

Medienjournal: Es gibt viele Magazine in Österreich, die an die Migranten-Communities gerichtet sind. Existiert eine Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Medien? Steht ihr in Kontakt mit einigen dieser Medien?

Devrnja: Wir sind mit einem serbischen Magazin in Kontakt und ja, ich würde sagen, dass wir uns auch gegenseitig helfen. Wir tauschen Informationen und Kontakte verschiedener potentieller Werbekunden. Außerdem sind wir im Kontakt mit M-Media. Das ist eine Organisation, die versucht, alle Migrantenmedien in Österreich zu vereinen. Da aber jede Gemeinschaft in sich geschlossen ist, ist eine Zusammenarbeit nicht immer möglich.

Medienjournal: Sind Migranten in den offiziellen österreichischen Medien stark genug repräsentiert?

Devrnja: Meiner Meinung nach ist es ein Problem, dass die Migranten in Österreich nicht ausreichend in den offiziellen Medien vertreten sind. In letzter Zeit hat sich dieser Umstand allerdings ein wenig verbessert, denn M-Media startet immer wieder Initiativen in diese Richtung. In Zusammenarbeit mit der Zeitung „Die Presse“ gibt es das Projekt „Kooperation ‚Die Presse’ 2009“, mit dem Ziel, Journalisten mit Migrationshintergrund den Einstieg in österreichische Mainstream-Medien zu ermöglichen.

Medienjournal: Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

 

Devrnja: Ich finde, wir haben uns bis jetzt sehr schnell entwickelt. Wenn wir an mehr Geld kommen und unser Team behalten könnten, wäre noch viel mehr zu erreichen. Außerdem haften wir für die Reinheit der bulgarischen Sprache. Die Boulevard-Sprache hat bei uns nichts zu suchen, vom Stil her sind wir eine seriöse Zeitschrift. Ich glaube, wenn wir diese Linie beibehalten, werden wir uns auf dem Markt etablieren können.

Medienjournal: Wie sehen Sie den Einfluss von „Die Bulgaren in Österreich“ auf die bulgarische Gemeinschaft in Österreich?

 

Devrnja: Die Leute, die mit uns in Kontakt stehen, finden die Zeitschrift aufgrund der Informationen über ihre Gemeinschaft interessant und nützlich. Was passiert in unserer Community, welche Veranstaltungen kann man besuchen, welche wichtigen Leute sollte man kennen – das heißt, wir versuchen ihnen das Gefühl zu geben, dass sie hier nicht alleine sind. Ich denke, dass jede Gemeinschaft zumindest ein solches Medium haben sollte.

Medienjournal: Was wünscht ihr euch vom Österreichischen Medienverband?

 

Devrnja: Ich finde die Idee, einen solchen Verband zu gründen, hervorragend! Dadurch können die Menschen mehr erfahren von den Problemen, die die Medien in Österreich haben und viele der kleineren Medien kennen lernen. Wir wünschen uns, dass der „Medienverband“ seinen Job weiterhin so gut erledigt und die Interessen der Freien Medien verteidigt. Wir brauchen beispielsweise jemanden, der unsere Interessen vor dem AMS verteidigt, da das AMS uns nicht als Medium, ja nicht einmal als Verein anerkennt. Dadurch können wir zum Beispiel keine Mitarbeiter einstellen – das AMS erteilt unseren Leuten keine Arbeitsbewilligung. Wir brauchen aber Mitarbeiter, die der bulgarischen Sprache mächtig sind und davon gibt es leider nicht sehr viele mit österreichischem  Pass.

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1 Kommentar »

  1. Gute Sache nun wo und wie komme ich zu diese zeitung , und wo treffe ich die bulgaren die in wien wohnen?!

    Kommentar by julia walk — Oktober 5, 2011 @ 4:20 pm

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